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01.11.19
Risiko Management

LBBW und Commerzbank gehen mit Marco Polo live

Ab dem ersten Quartal 2020 sollte echte Transaktionen über das Blockchain-Netzwerk Marco Polo laufen. Für die Abwicklung von Handelsgeschäften brauchen LBBW und Commerzbank dann kein Papier mehr. Anders sieht es bei der physischen Lieferkette aus.

Die Testphase ist vorbei: Ab dem ersten Quartal des kommenden Jahres sollen echte Handelstransaktionen über das Trade-Finance-Netzwerk Marco Polo stattfinden. Das kündigten Vertreter der Commerzbank und der LBBW im Gespräch mit DerTreasurer an. Während die Plattform We.trade, bei der unter anderem die Deutsche Bank, die Unicredit und die HSBC mitwirken, bereits seit dem vergangenen Jahr Live-Transaktionen durchführt, wurden über Marco Polo bisher nur historische Geschäfte simuliert. Bei beiden Plattformen handelt es sich um blockchain-basierte Netzwerke.

Marco Polo sei nun „grundsätzlich geeignet, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, wir sind dazu im Austausch mit unserem Regulator“, sagt Matthias Heuser, Leiter International Trade und Payment Solutions bei der LBBW. Die Integration in die Backend-Systeme der Bank habe bereits begonnen.

Die Landesbank wird Anfang 2020 zunächst denjenigen Kunden die Nutzung der Plattform ermöglichen, die schon Pilotversuche mit der Bank durchgeführt haben. Dazu gehören etwa Daimler, Dürr und Voith. Zu einem späteren Zeitpunkt, den die LBBW noch nicht näher definiert hat, soll der Roll-out auf alle Firmenkunden der Bank beginnen.

Handelsfinanzierung soll künftig papierlos erfolgen

„Die Banken werden für die Abwicklung eines Handelsgeschäfts damit fast kein Papier mehr brauchen und sorgen so für eine hohe Entlastung bei den Unternehmen“, erklärt Heuser. Der gesamte Informationsfluss sowie die Auslösung des Zahlungsversprechens erfolge automatisch über die Plattform.

Anders sieht es in der physischen Lieferkette aus. „Für die Entzollung der Ware braucht es derzeit noch ein Dokument“, so der Banker. Zwar setze sich die internationale Handelskammer (ICC) dafür ein, dass auch dieser Schritt digitalisiert werden könne. Aufgrund der zahlreichen involvierten Jurisdiktionen sei das jedoch ein langwieriges Unterfangen.

Schnittstellen zwischen Marco Polo und We.trade geplant

Die Commerzbank setzt Marco Polo ebenfalls 2020 in den Live-Betrieb. Beide Häuser gehen davon aus, dass sie durch die Integration der Blockchain-Plattform in die Banksysteme Kosten einsparen können. Ob und inwiefern sie diese Einsparungen an ihre Kunden weitergeben, dazu halten sich die Banken allerdings noch bedeckt. Das Preismodell sei derzeit noch „in Entwicklung mit den Kunden“, heißt es etwa bei der LBBW.

Eine große Herausforderung für Marco Polo sind die Schnittstellen. So ist perspektivisch geplant, dass die Kunden Daten aus ihrem ERP-System in das Netzwerk integrieren können. Auch mit dem Kontrahenten We.trade soll dem Vernehmen nach Interoperabilität hergestellt werden. Offenbar herrscht inzwischen bei den Konsortien die Meinung vor, dass sich am Ende nicht ein Anbieter durchsetzen wird.

Backhaus[at]derTreasurer.de