Swift verabschiedet sich vom Korrespondenzbankenmodell und stellt sich mit einem Plattformmodel neu auf.

Swift

17.09.20
Software & IT

Swift stellt sich radikal neu auf

Swift stellt sich strategisch neu auf. Der Finanznachrichtendienstleister stellt auf ein Plattformmodell um, und verändert damit die Art und Weise, wie Banken künftig interagieren. Das ist eine Antwort auf neue Wettbewerber aus der Fintech-Szene.

Es ist eine Zäsur in der Strategie von Swift und eine Kampfansage an die neuen Player im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr: Der Finanznachrichtendienstleister will in den kommenden zwei Jahren seine grenzüberschreitende Infrastruktur für die Abwicklung von Zahlungen und Wertpapiergeschäften „grundlegend erneuern“, teilte die Brüsseler Genossenschaft am heutigen Donnerstag mit.

Konkret bedeutet das: Der Finanznachrichtendienstleister stellt künftig nicht nur die Architektur und die benötigten Formate bereit, in der Nachrichten verarbeitet werden können. Swift ändert die Plattform dahingehend, dass eine Transformation zwischen den Nachrichtenformaten erfolgt – in Abhängigkeit dessen, wie die Teilnehmer technologisch kommunizieren können und wollen. Das künftige Transaktionsmanagement stelle „die geschäftliche Transaktion in den Mittelpunkt und geht über das nachrichtenzentrierte Modell hinaus, das bisher die Grundlage der Dienste war“, heißt es in einer Stellungnahme von Swift. So solle der Zahlungsverkehr schneller und transparenter werden.

Swift: Banken profitieren von neuem Plattformmodell

Auch die angeschlossenen Banken sollen von dem neuen Ansatz profitieren. Sie sollen laut Swift künftig eigenständig oder in Zusammenarbeit mit Fintechs neue Services anbieten können. So soll beispielsweise im Wertpapiergeschäft eine bessere Kontenabstimmung, ein optimiertes Berichtswesen und verbesserte Kundendienste in der Vermögensanlage möglich sein. Auch hier soll eine „durchgängige Transparenz bei Transaktionen“ zu weniger Settlement-Fehlern und Strafgebühren führen. Zudem sparten die Banken Zeit und Geld, denn sie müssten die Transformation der Nachrichtenformate nicht mehr selbst übernehmen. Das übernehme künftig die Swift-Plattform.

Der Finanznachrichtendienstleister setzt dafür auf offene Schnittstellen (APIs) und die Cloud-Technologie. Dadurch werde „ein Instrumentarium von gemeinschaftlichen Abwicklungsdiensten“ bereitgestellt, „in die die Banken traditionell bisher selbst investiert haben“, wie es in der Mitteilung heißt. Neue und umfangreiche Datenressourcen ermöglichten die Vorabprüfung entscheidender Daten. Hinzu komme das Aufdecken von Betrugsversuchen, Datenanalysen, die Nachverfolgung von Transaktionen und das Management von Sonderfällen.

Einige Banken begrüßen offenbar die Umstellung der Swift-Infrastruktur. „Wir bereiten uns darauf vor, unsere Plattform, Produkte und Services mit der künftigen Swift-Infrastruktur zu verbinden”, sagt beispielsweise Stefan Hoops, Managing Director und Head of Corporate Bank bei der Deutschen Bank. Andere Institute dürften folgen.

Swift antwortet mit Plattform auf Fintech-Angebote

Für Swift dürfte dieser Strategieschwenk zwei Gründe haben: Zum einen reagiert der Finanznachrichtendienstleister mit seinem anvisierten Plattformmodell auf neue Player im Zahlungsverkehr, insbesondere aus der Fintech-Szene. So wollen beispielsweise die beiden Fintechs Ripple und R3 mit Hilfe der Blockchain-Technologie den Treasurern weltweit eine Alternative zu einer Abwicklung via Swift bieten. Auch der Kreditkartenanbieter Visa hat vor etwa einem Jahr ein grenzübergreifendes B2B-Zahlungsnetzwerk gestartet.

Zum anderen hatte Swift bisher versucht, die bestehende Struktur der Korrespondenzbanken durch Initiativen wie Global Payments Innovation, kurz GPI, zu verbessern. So gehört etwa der Pharmakonzern Roche zu den Vorreitern des Ansatzes. Nun folgt ein noch radikalerer Einschnitt als bisher: Unterstützt von APIs und Cloud-Technologie integriert Swift jetzt unter anderem GPI noch stärker in die Plattformstrategie, als es bisher möglich war.

Paulus[at]derTreasurer.de

Welche Anbieter es sonst noch im Zahlungsverkehr gibt, lesen Sie auf unser Themenseite neue Player im Zahlungsverkehr. Wie sich die Prozesse verändern, erfahren Sie auf unserer Themenseite Digitalisierung.