Das TIS-Management (von links: CEO Erik Masing, Strategiechef Jörg Wiemer und Produktverantwortlicher Erol Bozak) stellt eine neue Strategie vor.

TIS

09.06.21
Software & IT

TIS stellt neue Produktplattform vor

Der auf Zahlungsverkehr fokussierte Cloud-Anbieter TIS bringt eine neue Produktplattform auf den Markt. Erste Neuerung: Ein Tool, das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank entstanden ist.

Umbruch bei Treasury Intelligence Solutions (TIS): Elf Jahre nach der Gründung stellt der auf Zahlungsverkehr fokussierte Cloud-Anbieter am heutigen Mittwoch eine neue Strategie vor. In diesem Zuge haben die Walldorfer auch ihren Webauftritt und das Logo überarbeitet. Ursprünglich sollte der Launch der neuen Website bereits am gestrigen Dienstag erfolgen, wegen der Störungen bei dem Webdienstleister Fastly, der weltweit Internetseiten zusammenbrechen ließ, verzögerte sich dies aber.

Der Kern der Neuausrichtung ist der Launch einer Plattform, auf deren Basis künftig neue Produkte entstehen sollen. „Der Zahlungsverkehr ist das Bindeglied für die Digitalisierung im Unternehmen“, erläutert TIS-Mitgründer und Chief Strategy Officer Jörg Wiemer im Interview mit DerTreasurer. „Heute managen viele Unternehmen die Teilbereiche Accounting, Treasury, Order to Cash und Purchase to Pay aber noch isoliert voneinander. Unser Ziel ist es, den Cashflow im Unternehmen genauso gut zu orchestrieren wie den Warenfluss.“

In den vergangenen Jahren habe die Cloud-Technologie vielen Unternehmen dabei geholfen, den Zahlungsverkehr zu zentralisieren und damit zu kontrollieren, ergänzt TIS-Mitgründer und Technologiechef Erol Bozak. Mit der Vernetzung von Prozessen und Daten solle nun die nächste Entwicklungsstufe gezündet werden. Die neue Produktplattform, die TIS als „Enterprise Payment Optimization“ bezeichnet, bilde dafür die Basis.

Neue Lösung zur Betrugsprävention im Zahlungsverkehr

Ein erstes neues Produkt werden die Walldorfer im Juli auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich um einen neuen Ansatz zur Betrugsvermeidung im Zahlungsverkehr. Die Idee: Eine Software untersucht die Merkmale der Zahlung auf Auffälligkeiten. Dafür gleicht sie Informationen nicht nur mit der Zahlungshistorie des jeweiligen Unternehmens sondern auch mit Erfahrungen von anderen Firmen aus dem Netzwerk ab.

„Wir haben in den vergangenen zehn Jahren eine lange Zahlungshistorie angesammelt, die wir nun auswerten können, um neue Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln“, sagt Bozak. Weltweit haben TIS-Angaben zufolge rund 200 Unternehmen die Lösungen des Softwareanbieters im Einsatz, darunter etwa Fresenius, die Deutsche Bahn oder Qiagen. 

Allerdings wird die neue Lösung zur Betrugsprävention nicht nur TIS-Kunden angeboten. Denn der Softwareanbieter hat zudem eine Vertriebspartnerschaft mit der Deutschen Bank geschlossen. „Das Produkt ist offen für alle Firmenkunden, die E-Banking-Lösungen der Bank nutzen“, sagt Bozak. 

„Der Zahlungsverkehr ist das Bindeglied für die Digitalisierung im Unternehmen.“ 

Jörg Wiemer, TIS-Mitgründer und CSO

Unternehmen können dabei zwischen drei Varianten wählen, wie die „Börsen-Zeitung“ berichtete: In der Basisversion werden vor allem nutzergenerierte Informationen bereitgestellt, etwa dazu, ob eine Bankverbindung tatsächlich zu einem bestimmten Lieferanten gehört. In der ausgefeilteren Version steuert auch die Deutschen Bank Expertise zu. Die teuerste Version setzt zudem auf künstliche Intelligenz.

TIS holte neue Investoren an Bord

Den sogenannten Community-Ansatz, bei dem Unternehmen voneinander profitieren, will TIS perspektivisch auch auf andere Anwendungen im Bereich Zahlungsverkehr und Cash Management übertragen. Zu konkreten weiteren Produktneuheiten halten sich Wiemer und Bozak allerdings noch bedeckt. Technisch spielt dabei die API-Technologie, die einen Zugriff auf andere Systeme zulässt, eine wichtige Rolle.

Wie viel Geld TIS in die Entwicklung der Plattform gesteckt hat, wollen die beiden Gründer ebenfalls nicht verraten. Der Softwareanbieter hatte im Mai 2020 im Zuge einer Finanzierungsrunde 20 Millionen US-Dollar von den Investoren Aquiline Capital Partners und 83North eingesammelt. Damals hieß es, mit dem Geld wolle man unter anderem die Produktentwicklung vorantreiben. Auch der Vertrieb in Europa und den USA sollte ausgebaut werden.

Der deutsche Markt für Softwarelösungen in den Bereichen Zahlungsverkehr und Cash Management ist umkämpft: Neben spezialisierten Anbietern wie TIS oder Serrala sind auch TMS-Anbieter wie Coupa (früher Bellin), FIS oder Ion in dem Feld unterwegs. Gerade im Cloudbereich kommen mit Kyriba, die hierzulande gerade personell aufrüsten, und dem finnischen Anbieter Nomentia neue Anbieter dazu, die um hiesigen Kunden buhlen.

Buchholz[at]derTreasurer.de

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