Commercial Paper mit Blockchain-Technologie platziert

25.09.17 13:56

Commerzbank und KfW steigen in Blockchain-Wettlauf ein

Von Sabine Paulus

Der Blockchain-Zug rollt weiter: Nun haben Commerzbank, KfW und der Vermögensmanager MEAG eine Wertpapiertransaktion mit der Technologie abgewickelt. Die Effizienzgewinne sind enorm und zeigen das Potential der neuen Technologie: Statt der üblichen zwei Tage konnte die Transaktion in Echtzeit durchgeführt werden.

Die Commerzbank hat zusammen mit der KfW und dem Vermögensmanager MEAG ein Commercial Paper begeben.

Julia Schwager/Commerzbank AG

Die Commerzbank hat zusammen mit der KfW und dem Vermögensmanager MEAG ein Commercial Paper begeben.

Nach der Schuldscheinplatzierung via Blockchain von Daimler und der LBBW haben nun drei Finanzdienstleister eine Wertpapiertransaktion mit Hilfe der sogenannten Distributed Ledger Technologie durchgeführt. Commerzbank, KfW und MEAG haben gemeinsam ein von der KfW begebenes Geldmarktwertpapier gehandelt. Diese Transaktion mit einem Euro Commercial Paper  wurde, ähnlich wie der Daimler-Schuldschein im Juni, parallel in einer Blockchain abgebildet. Dieses Vorgehen ist notwendig, da die Regulatorik noch nicht erlaubt, eine Finanztransaktion allein über die Blockchain durchzuführen.

Wie die drei Finanzdienstleister am heutigen Montag mitteilten, wurde das Wertpapier ohne Einbeziehung einer Zahlstelle und eines Clearingsystems abgewickelt und an die MEAG, den Vermögensverwalter von Munich Re und Ergo, verkauft. Die Pilottransaktion umfasste ein Volumen in Höhe von 100.000 Euro bei einer Laufzeit von fünf Tagen. Üblicherweise nehme die Zahlung und die Abwicklung von Wertpapieren zwei Tage in Anspruch, da diese unter Einbeziehung von Clearingsystemen mit zeitlicher Verschiebung vorgegeben sind, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Durch die geringere Zahl von Intermediären und die neue Distributed-Ledger-Technologie sei die unmittelbare Wertstellung möglich.

„Die voranschreitende Digitalisierung wird einen großen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie in der Zukunft Finanzmarktgeschäfte gehandelt und abgewickelt werden“, kommentierte Frank Czichowski, Treasurer der KfW, die Transaktion. Die Staatsbank sehe großes Potential in der Blockchain-Technologie und habe mit dieser Pilottransaktion „erste positive Erfahrungen in der Praxis“ gesammelt. „Für die Zukunft erhoffen wir uns Vorteile in der Abwicklungsgeschwindigkeit, der Transparenz und durch die hohen Sicherheitsstandards“, sagte der KfW-Treasurer weiter.

Wertpapiere sind für die Abwicklung via Blockchain prädestiniert

Wie bei der Schuldscheintransaktion von Daimler haben die drei Finanzdienstleister mit der jetzigen Wertpapiertransaktion die technische Durchführbarkeit solch einer Transaktion nachgewiesen. Denn Experten sehen neben Schuldscheinen und Handelsfinanzierungen gerade auch Wertpapiere, die kurze Laufzeiten und einfache Strukturen haben, als prädestiniert an, um sie über eine geschlossene Blockchain abzuwickeln. Grund dafür ist ein essentieller Vorteil, der durch den Aufbau der geschlossenen Blockchain als dezentrale Datenbank realisiert wird: Es gibt nur einen überschaubaren Kreis an Intermediären, die gleichzeitig informiert werden.

„Die Pilottransaktion zeigt, dass sich die Emission ebenso wie der Handel von Wertpapieren über Blockchain Technologie in Echtzeit simulieren lassen“, meint Roman Schmidt, Bereichsvorstand Corporate Finance bei der Commerzbank. Durch eine Transformation von Wertpapiertransaktionen hin zu digital durchgeführten Emissionen könne ein signifikantes Potential für Effizienzgewinne erschlossen werden, erklärt er weiter.

Schlanker, schneller und kostengünstiger mit Blockchain

Bei einer Schuldscheintransaktion via Blockchain könnte eine Effizienzsteigerung in der Abwicklung von bis zu 50 Prozent möglich sein, glauben Experten der LBBW. Ähnliches dürfte wohl auch bei Wertpapiertransaktionen möglich sein, da auch hier die an der Blockchain beteiligten Parteien in Echtzeit über den gleichen Informationsstand verfügen, Datensätze nur im Konsens aktualisiert werden können und die dezentral gespeicherten Daten zudem kryptografisch signiert werden. Rückwirkend herrscht also volle Transparenz, Sicherheit, Datenintegrität und verteiltes Wissen, was Grundlage für ein regulatorisches Reporting sein könnte.

Für die Abwicklung eines Wertpapiers bedeutet dies, dass sich der Transaktionsprozess mit weniger Intermediären realisieren lässt. Ein Clearingsystem ist nicht mehr erforderlich. Dadurch verschlankt sich der Prozess, die Transaktion wird schneller und kostengünstiger abgewickelt. Eine unmittelbare Wertstellung ist möglich, wodurch sich die die Zahlung und die Abwicklung der Wertpapieren, die derzeit normalerweise zwei Tage dauert, deutlich verkürzen würde, was letztendlich auch die Kapital- und Liquiditätskosten deutlich verringert wird. Wie groß die Effizienz- und Kostengewinne aber tatsächlich sein werden, ist derzeit nach Rückfrage bei der Commerzbank noch nicht abschätzbar.

Es dauert noch Jahre bis Blockchain-Transaktionen in Serie gehen

Nun gilt es, solche Blockchain-Transaktionen zur Marktreife zu bringen. In den kommenden Jahren will beispielsweise die Commerzbank zusammen mit anderen Finanzdienstleistern schrittweise eine marktreife Plattform entwickeln, um Neuemissionen via Blockchain zu begeben. Einige Experten sehen das Potential der neuen Technologie als enorm für alle handelbaren Assets an: Markus Krall, Managing Director bei der Unternehmensberatung Goetzpartners, geht beispielsweise davon aus, dass bis 2025 auf Basis der Technologie eine Infrastruktur entstehen wird, über die Geschäfte mit sämtlichen handelbaren Assets abgewickelt werden können.

Doch bis es soweit ist, sind noch einige Hürden zu überwinden. Denn erst wenn die Regulierungsbehörden die Blockchain als alleinige Abwicklungsplattform akzeptieren, können die Effizienzvorteile der Technologie wirklich zum Tragen kommen und die Blockchain-Transaktionen in Serie gehen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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