Otto Group

09.01.19
Cash Management & Zahlungsverkehr

Otto führt Bezahlung mit Instant Payments ein

Der Onlinehändler Otto wird zum Pionier im Echtzeitzahlungsverkehr. Als erstes Unternehmen in Deutschland kann das E-Commerce-Unternehmen Instant Payments empfangen und verarbeiten.

Es ist eine Premiere im deutschen Zahlungsverkehr. Als nach eigenen Angaben erstes Unternehmen in Deutschland kann die Otto-Einzelgesellschaft Instant Payments empfangen und verarbeiten. Das teilte der Onlinehändler für Möbel und Living am heutigen Mittwoch mit. Gemeinsam mit der Konzernmutter Otto Group und der Hanseatic Bank habe das Hamburger E-Commerce-Unternehmen eine eigene Programmierschnittstelle (API) entwickelt. Mit dieser könne Otto ab sofort Zahlungen per Echtzeitüberweisung empfangen und diese direkt mit Kundenservices verknüpfen.

„Wir sind stolz, als Vorreiter der Branche den ersten praxisrelevanten Anwendungsfall zu präsentieren“, sagt Boris Jendruschewitz, Direktor Konzernfinanzen der Otto Group. „Damit übertragen wir die Echtzeitökonomie in den Zahlungsverkehr für den deutschen Onlinehandel.“

Händler sehen großes Potential in Instant Payments

Deutsche Händler versprechen sich von Instant Payments drei konkrete Vorteile: Erstens können sie sofort über das Geld verfügen, weil eine finale Gutschrift innerhalb von zehn Sekunden erfolgt – und das 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. Zweitens wären Händler künftig bei der Abwicklung des Zahlverfahrens nicht mehr von einem zwischengeschalteten Zahlungsdienstleister abhängig. Und zu guter Letzt könnten auch die Kosten für den Zahlungsverkehr dank des steigenden Wettbewerbs sinken, hoffen die Händler.

Bislang konnten insbesondere die Onlinehändler dieses Potential aber noch nicht nutzen, da es keine technische Schnittstelle gab, die einheitliche Informationsprozesse über den Geldeingang online bereitstellt. Dadurch konnten die Zahlungen bisher nicht in Echtzeit automatisiert verarbeitet werden.

Otto löst Problem der technischen Schnittstelle

Otto hat hierfür nun eine Lösung gefunden. „Ab jetzt bekommen Kunden, die per Echtzeitüberweisung auf otto.de bezahlen, innerhalb von einer Minute im Kundenkonto angezeigt, dass der Zahlungsvorgang erfolgreich war“, sagt Hans-Georg Spliethoff, Leiter Kreditmanagement Otto. Jeder Nutzer von Instant Payment könne also live verfolgen, was mit seinem Geld passiert.

Auch bei einer Zahlung per Vorkasse, was Unternehmen insbesondere bei Neukunden oft verlangen, geht der Geldbetrag innerhalb weniger Sekunden bei dem Onlinehändler ein – was zum Beispiel bei Direktzahlarten wie Paypal nicht der Fall ist. Der Bestellprozess kann Unternehmensangaben zufolge direkt fortgeführt werden. Damit könne die Ware viel schneller zum Kunden versendet werden, verspricht die Otto-Einzelgesellschaft.

Banken müssen Instant Payments ermöglichen können

Um den Instant Payments allerdings zum Siegeszug zu verhelfen, braucht es Reichweite. Denn es bringt nichts, wenn Onlinehändler wie Otto Instant Payments empfangen und verarbeiten, wenn die Bank des Kunden dies nicht kann. Deswegen drängen Treasurer auf eine bessere Erreichbarkeit der Banken, wie im vergangenen Oktober am 3. Sepa-Instant-Payments-Praxistag der Payment Group International in Frankfurt am Main deutlich wurde.

„Wir sind stolz, als Vorreiter der Branche den ersten praxisrelevanten Anwendungsfall zu präsentieren.“

Boris Jendruschewitz, Otto Group

Und hier bleibt für die Mehrheit der Banken noch einiges zu tun. Bislang bieten nur die Hypovereinsbank, die Landesbanken und Sparkassen sowie die Deutsche Bank, die DZ Bank und die Hanseatic Bank Überweisungen in Echtzeit an. Die französische BNP Paribas will Instant Payments im ersten Halbjahr 2019 einführen.

 

 

Gebühren für Instant Payments unterscheiden sich

Hinzukommt, dass einige Banken von ihren Kunden aktuell eine Gebühr für die Nutzung von Echtzeitüberweisungen erheben, andere nicht. Die Hanseatic Bank, die eigenen Angaben zufolge nun „als erste deutsche Bank Instant Payments für ein Handelsunternehmen bereitgestellt hat“, bietet Otto eine „kostenlose Zahlungsmöglichkeit“ an.

Ob allerdings Kunden des Onlinehändlers für die Echtzeitüberweisungen eine Gebühr bezahlen müssen, hängt von der Bank des Kunden ab. So müssen Privatkunden der Deutschen Bank für Instant Payments beispielsweise 60 Cent je Transaktion zahlen, Firmenkunden 35 Cent. Die Hypovereinsbank verlangt von Privatkunden 50 Cent.

Das einige der in Deutschland tätigen Banken für die Echtzeitüberweisungen höhere Preise als für eine gewöhnliche Sepa-Überweisung verlangen, ist zwar nachvollziehbar, müssen die Banken selbst doch viel Geld in die Hand nehmen, um ihre internen Prozesse echtzeitfähig zu machen. Zudem fallen transaktionsbasierte Gebühren für die Echtzeit-Clearing-Systeme RT1 und Tips an.

Aber insbesondere Privatkunden dürften kaum bereit sein, für eine schnelle Bezahlung mehr Geld in die Hand zu nehmen. So verwundert es nicht, dass Boris Jendruschewitz von der Otto Group hofft, „dass hier ein Umdenken stattfindet und die Echtzeitüberweisung bald überall ohne Mehrkosten für Privatkunden verfügbar ist”.

Paulus[at]derTreasurer.de

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