Eine Definition für das Treasury abzuleiten ist schwieriger als man weitläufig annimmt.

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06.06.17
Persönlich & Personal

Was ist eigentlich Treasury?

Die Eingrenzung des Berufsbilds „Treasurer“ ist verzwickt. Um sich der deutschen Treasury-Definition anzunähern und die oft fließenden Zuständigkeitsgrenzen zu definieren, hat der Treasury-Verband VDT nun ein Positionspapier veröffentlicht.

Jedes Unternehmen, sei es auch noch so klein, hat einen Zahlungsverkehr, Konten und Darlehensverträge. Dennoch haben die KMUs in aller Regel keinen eigenen Treasurer. Buchhalter oder Geschäftsführer erledigen diese Aufgaben nebenbei. In großen Firmen gibt es hingegen in den allermeisten Fällen eine Treasury-Abteilung. Deren Zuständigkeit beschränkt sich allerdings teilweise auf Liquiditätsmanagement und Hedging.

Für die Finanzierung haben Konzerne, in Deutschland insbesondere diejenigen aus der Dax-Liga, eine eigene Corporate-Finance-Einheit, die Anleihen und Co. strukturiert. Manche Treasurer sind zudem für Versicherungen zuständig. Andere verantworten die Bereiche M&A oder Investor Relations.

VDT will Funktion des Treasury genauer definieren

Was ist also Treasury? Diese Publikation hat von Beginn an implizit einen breiten Treasury-Begriff favorisiert, unter dem auch beispielsweise das Corporate Finance subsummiert wird. Dennoch ist klar: Eine schnelle Antwort auf die vermeintlich einfache Frage gibt es nicht. Das hat der Treasury-Verband VDT zum Anlass genommen, sich in einem Positionspapier der deutschen Treasury-Definition anzunähern und die oft fließenden Zuständigkeitsgrenzen zu definieren.

„Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was die Aufgaben des Treasury sind“, sagt Heinrich Degenhart, der seit vielen Jahren dem VDT-Vorstand angehört. „Wir verspüren einen starken Zustrom von kleineren Unternehmen, die sich mit unseren Themen befassen, aber keinen eigenen Treasurer haben.“

Dies sei mit ein Motiv gewesen, die Funktion genauer zu definieren – unabhängig von der jeweiligen organisatorischen Ausprägung. „Wir wollen uns von den Organigrammen lösen“, fügt Degenhart hinzu. Diese seien in vielen Unternehmen häufig historisch gewachsen und nicht generalstabsmäßig geplant.

VDT: Treasury „Kernaufgabe der Unternehmensführung“

Zahlreiche Punkte des dreizehnseitigen VDT-Papiers sind Common Sense. Das zentrale Treasury-Ziel der Liquiditätssicherung wird niemand in Frage stellen. Auch dass sich daraus die Teilbereiche Cash & Liquidity Management, Financial Risk Management sowie Finanzierung & Financial Asset Management ableiten, bestreitet keiner – wobei zumindest die langfristige Geldanlage in der Praxis häufig an andere Abteilungen ausgelagert wird.

Das Papier betont aber, dass Treasury „zu den Kernaufgaben der Unternehmensführung gehört“. Zumindest diejenigen Unternehmen, in denen nicht einmal die Position etabliert ist, dürften da schon aufhorchen. Ganz klar: Der Verband hat auch im eigenen Interesse das Ziel, den Treasury-Begriff weiter zu etablieren.

Wie Treasurer Versicherungen betreuen

Dabei gibt es durchaus einige kontroverse Punkte, gerade wenn es um die teils fließenden Grenzen zu anderen Abteilungen wie dem Controlling oder Rechnungswesen geht. In einigen Aspekten sieht es das Positionspapier enger, als Treasury in der Unternehmenspraxis vorkommt.

Beispiel Versicherungen: Diese gehören laut VDT nur zu den Aufgaben des Treasurer, „wenn und soweit Risiken aus dem Finanzbereich versichert werden.“ Einige Treasury-Organisationen sind aber durchaus auch für die Versicherung operativer Risiken zuständig. Ein weiteres Beispiel ist M&A, das in manchen Fällen auch bei den Treasury-Verantwortlichen aufgehängt ist. Hier sieht das Papier den Treasurer eher als den Begleiter, etwa bei der Übernahmefinanzierung und der finanziellen Due Diligence.

Ist Working Capital Management eine Treasury-Aufgabe?

Ein anderer Aspekt ist das Working Capital Management, das wiederum gerne im Controlling angesiedelt ist. Hier lautet die klare Aussage: „Working Capital Management gehört unter finanziellen Aspekten und als Teil der kurzfristigen Liquiditätssicherung zur Kernfunktion Cash & Liquidity des Treasury.“

Das Papier grenzt aber ab, denn „nur die Finanzierung des Working Capital“ sei eine Treasury-Aufgabe, nicht jedoch die Gestaltung der Bestände wie die Lagerbestandsoptimierung, das Kreditoren- und Debitorenmanagement.

Zusammenspiel von Treasury und Investor Relations

Der kontroverseste Punkt des Papiers dürfte sein, dass auch die Kommunikation „mit allen Arten von Investoren zum Treasury-Framework“ gehört. In einigen Unternehmen laufen zwar die Fäden unter einem Leiter Treasury und Investor Relations zusammen. In vielen Unternehmen sind diese Felder jedoch strikt getrennt – ob sinnvoll oder nicht.

Eine große Rolle spielen Treasurer erfahrungsgemäß bei der Umsetzung von Börsengängen oder der Anleiheplatzierung („Creditor Relations“). Häufig ziehen sie sich danach aber zurück und überlassen die Investorenkommunikation, speziell mit Privatanlegern, gerne den IR-Kollegen. Es bleibt abzuwarten, wie die IR-Lobby auf den Vorstoß des VDT reagiert.

Die Digitalisierung des Treasury

Eher unbestimmt bleibt in dem Papier die strategische Rolle des Treasurers, die einige immer wieder fordern. Auch die Auswirkung der Digitalisierung, die das Potential hat, die Arbeit der Treasury-Funktion grundlegend zu verändern, wird nicht thematisiert.

Heinrich Degenhart kommentiert: „Der Treasurer muss sich dem Thema selbstverständlich stellen und es vorantreiben, ohne dass Digitalisierung zu seinen eigentlichen Aufgaben als Treasurer gehört.“ Außerdem bilde sich zudem der Berufszweig der Chief Digital Officers (CDO) heraus, der die Entwicklungen koordinieren soll.

Das VDT-Papier bietet auf jeden Fall einen guten Überblick darüber, was heute unter Treasury in Deutschland verstanden wird. Hinzu kommt: Es soll eine Art „Dachpapier“ sein, wie Degenhart es formuliert. Weitere ausdifferenzierte Positionspapiere zu den einzelnen Bereichen wie etwa Asset Management sind in Planung.

Dentz[at]derTreasurer.de

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