Was ist eigentlich Treasury?

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Jedes Unternehmen, sei es auch noch so klein, hat einen Zahlungsverkehr, Konten und Darlehensverträge. Dennoch haben die KMUs in aller Regel keinen eigenen Treasurer. Buchhalter oder Geschäftsführer erledigen diese Aufgaben nebenbei. In großen Firmen gibt es hingegen in den allermeisten Fällen eine Treasury-Abteilung. Deren Zuständigkeit beschränkt sich allerdings teilweise auf Cash Management und Hedging.

Für die Finanzierung haben Konzerne, in Deutschland insbesondere diejenigen aus der Dax-Liga, eine eigene Corporate-Finance-Einheit, die Anleihen und Co. strukturiert. Manche Treasurer sind zudem für Versicherungen zuständig. Andere verantworten die Bereiche M&A oder Investor Relations.

Was versteht man unter Treasury?

Eine schnelle Antwort auf die vermeintlich einfache Frage gibt es nicht. Diese Publikation hat von Beginn an implizit einen breiten Treasury-Begriff favorisiert, unter dem auch beispielsweise das Corporate Finance subsummiert wird.

Der Treasury-Verband VDT hat in einem Positionspapier versucht, sich der deutschen Definition anzunähern und die oft fließenden Zuständigkeitsgrenzen zu definieren. Die aktuelle Version des Leitfadens stammt aus November 2023.

„Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was die Aufgaben des Treasury sind“, sagte Heinrich Degenhart, der viele Jahre dem VDT-Vorstand angehörte und Mitte 2025 sein Amt niederlegte. „Wir verspüren einen starken Zustrom von kleineren Unternehmen, die sich mit unseren Themen befassen, aber keinen eigenen Treasurer haben.“

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Was sind die Hauptaufgaben eines Treasurers?

Das zentrale Treasury-Ziel ist die Liquiditätssicherung im Unternehmen heißt es im VDT-Papier. Daraus lassen sich die drei Kernfunktionen Cash & Liquidity Management, Financial Risk Management sowie Finanzierung & Financial Asset Management ableiten, wobei die langfristige Geldanlage in der Praxis häufig an andere Abteilungen ausgelagert wird.

Das Treasury gehört laut VDT in jedem Fall zu den Kernaufgaben der Unternehmensführung. Zumindest diejenigen Unternehmen, in denen bislang nicht einmal die Position etabliert ist, dürften da schon aufhorchen. Man muss an dieser Stelle klar einwenden: Der Verband hat auch im eigenen Interesse das Ziel, den Treasury-Begriff weiter zu etablieren.

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Dabei gibt es durchaus einige kontroverse Punkte, gerade wenn es um die teils fließenden Grenzen zu anderen Abteilungen wie dem Controlling oder Rechnungswesen geht. In einigen Aspekten sieht es der VDT enger, als Treasury in der Unternehmenspraxis vorkommt.

Beispiel Versicherungen: Diese gehören dem Verband zufolge nur zu den Aufgaben des Treasurer, „wenn und soweit Risiken aus dem Finanzbereich versichert werden.“ Einige Treasury-Organisationen sind aber durchaus auch für die Versicherung operativer Risiken zuständig.

Ein weiteres Beispiel ist M&A, das in manchen Fällen auch bei den Treasury-Verantwortlichen aufgehängt ist. Hier sieht das Papier den Treasurer eher als den Begleiter, etwa bei der Übernahmefinanzierung und der finanziellen Due Diligence. Darüber hinaus sieht der Verband Verantwortlichkeiten des Treasury bei der Integration der Treasury-Funktion im gekauften Unternehmen und bei Unternehmensverkäufen bei der Auslagerung selbiger.

Welche Rolle spielt Investor Relations im Treasury?

Zur Finanzierungsfunktion des Treasury gehört laut dem Positionspapier des VDT auch die Kommunikation „mit allen Arten von Investoren und Gläubigern“. In einigen Unternehmen laufen die Fäden unter einem Leiter Treasury und Investor Relations zusammen. In anderen Unternehmen sind diese Felder jedoch strikt getrennt – ob sinnvoll oder nicht – was eine enge Zusammenarbeit der Abteilungen in Kapitalmarktfragen erfordert.

Eine große Rolle spielen Treasurer erfahrungsgemäß bei der Umsetzung von Börsengängen oder der Anleiheplatzierung („Creditor Relations“). Häufig ziehen sie sich danach aber zurück und überlassen die Investorenkommunikation, speziell mit Privatanlegern, gerne den IR-Kollegen. Laut VDT sind aber auch die weitere Betreuung, die kontinuierliche Pflege und auch der Ausbau des Kontakts zu Investoren und Kreditgebern „elementare und originäre Aufgabe des Treasury“. Es bleibt abzuwarten, wie die IR-Lobby auf den Vorstoß des VDT reagiert.

Braucht ein Treasurer IT-Kenntnisse?

Als Treasurer sind angemessene IT-Kenntnisse vorteilhaft, heißt es im Positionspapier des VDT. Denn im Treasury werden mittlerweile die meisten Prozesse digital abgewickelt. Der Umfang der Digitalisierung der Abteilung variiert mit der Größe des Unternehmens und dem Aufgabenumfang. Bei der Implementierung, Entwicklung und Prozessintegration einzelner Tools arbeiten Treasurer jedoch zumeist intensiv mit IT-Abteilungen, Banken und Systemanbietern zusammen.

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Treasury-Systeme

Ein Treasury Management System hilft Finanzabteilungen, den Überblick über die Geldflüsse im Unternehmen zu behalten. Im Markt tummeln sich zahlreiche Anbieter, unter denen man den richtigen finden muss.

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Kernsystem der Treasury-Abteilung ist in der Regel ein Treasury Management System (TMS), welches für das Cash-, Liquiditäts- und Risikomanagement eingesetzt wird. Die Einführung, der Betrieb und auch ein möglicher Wechsel des TMS sind dabei laut VDT „Kernaufgaben für ein effizientes Treasury“. Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz spielt im Treasury zunehmen eine Rolle, zum Beispiel bei der Automatisierung von Liquiditätsprognosen oder dem Risikomanagement.

Das VDT-Papier bietet auf jeden Fall einen guten Überblick darüber, was unter Treasury in Deutschland verstanden wird. Hinzu kommt: Es soll eine Art „Dachpapier“ sein, wie Degenhart es formuliert. Weitere ausdifferenzierte Positionspapiere zu den einzelnen Bereichen wie etwa Asset Management sind in Planung.

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Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert das Treasury. Doch welche Technologien liefern echten Mehrwert und was bedeutet das für die Mitarbeiter? Diese Themenseite hilft bei der Orientierung.

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Info

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien zuerst am 6. Juni 2017 und wird in regelmäßigen Abständen überarbeitet.

Die wichtigsten Fragen zum Beruf des Treasurers

Was versteht man unter Treasury?

Treasury ist ein zentraler Bestandteil der Finanzabteilung eines Unternehmens und verantwortet vor allem die Sicherung der Liquidität. Eine einheitliche Definition gibt es nicht, jedoch hat der Verband Deutscher Treasurer (VDT) ein Positionspapier mit Kernaufgaben des Treasury formuliert.

Was sind die Kernaufgaben eines Treasurers?

Das übergeordnete Ziel des Treasury ist die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Laut VDT lassen sich drei Kernfunktionen unterscheiden: Cash & Liquidity Management, Financial Risk Management sowie Finanzierung & Financial Asset Management.

Wo liegen die Abgrenzungen zu anderen Abteilungen?

Die Zuständigkeiten des Treasury überschneiden sich teilweise mit Controlling, Rechnungswesen oder Corporate Finance. Gerade bei Themen wie M&A, Versicherungen oder Investor Relations sind die Grenzen oft fließend. Die konkrete Ausgestaltung hängt stark von der Unternehmensstruktur und -größe ab.

Welche Bedeutung hat IT im Treasury?

Moderne Treasury-Abteilungen arbeiten stark digitalisiert. Ein zentrales Instrument ist das Treasury Management System (TMS), das Cash-, Liquiditäts- und Risikomanagement unterstützt. Die Auswahl, Einführung und Weiterentwicklung solcher Systeme gehört zu den Kernaufgaben eines effizienten Treasury. Treasurer müssen eng mit IT-Abteilungen, Banken und Softwareanbietern zusammenarbeiten. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gewinnt an Bedeutung, etwa bei Liquiditätsprognosen oder der Risikoanalyse.

Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.