Der Einzelhändler Globus hat bei seinem ersten digitalen Schuldschein auf Arranger verzichtet.

Globus SB-Warenhaus Holding GmbH & Co. KG

08.01.20
Finanzen & Bilanzen

Globus platziert Schuldschein via Finpair in Eigenregie

Die Supermarktkette Globus hat Schuldscheine über die Plattform Finpair prolongiert. Damit kann das Fintech der NordLB nun auch seine erste voll digitale Emission vorweisen.

Das Fintech Finpair kann den ersten voll digitalen Schuldschein auf seiner digitalen Schuldscheinplattform vorweisen. Der Emittent, die saarländische Globus Holding, hatte bereits Ende vergangenen Jahres einen Teil seiner bestehenden Schuldscheindarlehen erfolgreich über die digitale Schuldscheinplattform Finpair prolongiert. Der Einzelhändler konnte neben bestehende Investoren auch neue Anleger gewinnen. Darunter seien auch Förder- und Geschäftsbanken gewesen, heißt es seitens Finpair, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der NordLB.

Globus verzichtet auf Schuldschein-Arrangeure

Die Globus Holding ist ein erfahrener Schuldscheinemittent. Seit 2008 emittiert das Einzelhandelsunternehmen regelmäßig Schuldscheine. 2017 haben die Saarländer beispielsweise Schuldscheindarlehen über 90 Millionen Euro platziert. „In digitaler Form war es bisher der erste Deal für uns“, sagt Markus Rietz, Leiter Treasury bei Globus. „Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung aller Treasury-Prozesse wird dieses Thema jedoch immer wichtiger, weshalb wir mit dieser Emission Erfahrungen zur Abwicklung über eine digitale Plattform sammeln wollten.“

Durch die digitale Emission konnte Globus dieses Mal „vollständig auf die Begleitung durch arrangierende Banken verzichten“, ergänzt Finpair. „Globus ist durch seine bisherigen Emissionen am Markt etabliert“, sagt Christian Müller, Senior Projektmanager Vertrieb bei Finpair. Ein Arrangeur sei daher nicht mehr notwendig gewesen.

2019: Ein Dutzend Transaktionen über Finpair

Die Wahl von Finpair war aber laut dem Globus-Treasury-Chef „keine bewusste Entscheidung für diesen Anbieter, sondern resultierte daraus, dass die gekündigte Tranche von der NordLB arrangiert war“. Bei dem Deal handelt es sich Unternehmensangaben zufolge um eine vorzeitige Refinanzierung einer bestehenden variablen Tranche. Das ursprüngliche Volumen wurde demnach „bedarfsgerecht“ refinanziert. Die Marge konnte unterhalb der abgelösten Tranche fixiert werden.

Für das Fintech Finpair ist dieser erste voll digitale Schuldschein jedoch ein weiterer Schritt, um sich gegen die anderen am Markt präsenten Emissionsplattformen wie VC Trade oder Debtvision zu behaupten. Die Plattform der NordLB-Tochter, bei der inzwischen eigenen Angaben zufolge rund 200 Investoren registriert sind, ist im November 2018 gestartet. Über sie wurden 2018 Unternehmensangaben zufolge vier Emissionen am Markt platziert. Im vergangenen Jahr waren es zwölf Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,1 Milliarden Euro.

Weitere Deals sollen in den kommenden Wochen folgen: „Die Pipeline für 2020 ist bereits gut gefüllt“, sagt Finpair-Experte Müller. Mehrere Transaktionen seien für Januar und Februar bereits mandatiert.

Der Schuldscheinexperte ist davon überzeugt, dass digitale Schuldscheinemissionen zunehmen werden: „Je reifer der Schuldschein-Markt wird, desto mehr erfahrene Emittenten wird es geben“, sagt Müller. Bisher hatte etwa der Mainzer Spezialglashersteller Schott eine Transaktion in Eigenregie begeben, allerdings über den Finpair-Wettbewerber Debtvision, hinter dem die LBBW und die Börse Stuttgart stehen.

Der Kampf um die Marktanteile geht weiter

Unternehmen können inzwischen zwischen mehrere Schuldscheinplattformen wählen. Neben der Lösung der NordLB-Tochter Finpair und der LBBW-Plattform Debtvision gibt es noch zwei weitere bankeigene Plattformen: Die Lösung der HSBC heißt Synd-X, die der Raiffeisen Bank International nennt sich Yellowe. Aber auch Fintechs wie VC Trade, Credx oder Firstwire sind in diesem Feld aktiv.

Die digitalen Schuldscheinplattformen gewinnen zunehmend Marktanteile. So war beispielsweise im 2. Quartal 2019 knapp jede zweite Schuldscheintransaktion digital unterstützt. Im Kampf um die Marktanteile versuchen die einzelnen Plattformen sich mit verschiedenen Alleinstellungsmerkmalen zu behaupten.

So hat Finpair beispielsweise im vergangenen November eine Kooperation mit der Nachhaltigkeitsratingagentur Imug geschlossen. Damit ist das Fintech der NordLB eigenen Angaben zufolge die „erste Corporate-Schuldscheinplattform, die Emittenten digitaler Schuldscheine im Zuge des Antragsprozesses die Möglichkeit einer sogenannten Second Party Opinion anbietet“.  Das geschieht Unternehmensangaben zufolge voll integriert auf der Plattform Finpair. „Die Kooperation trägt bereits jetzt erste Früchte“, sagt Müller. Ihm zufolge soll noch im Verlauf dieser Woche der erste in Kooperation geschlossene Green Schuldschein an den Markt gehen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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