Thyssenkrupp und Commerzbank haben erstmals einen tatsächlich gehandelten FX-Forward über eine Blockchain abgebildet.

Thyssenkrupp

24.05.18
Risiko Management

Thyssenkrupp wickelt erstmals FX-Geschäft über Blockchain ab

Thyssenkrupp und Commerzbank haben zum ersten Mal ein FX-Forward auf Basis der Blockchain-Technologie gehandelt. Für Treasurer ergeben sich damit ganz neue Möglichkeiten im Währungsmanagement.

Thyssenkrupp hat gemeinsam mit der Commerzbank einen neuen Bereich für die Anwendung der Blockchain-Technologie erschlossen. Wie heute bekannt wurde, hat der Industriekonzern aus Essen gestern ein Euro-Polnischer Zloty-FX-Forward-Geschäft in Höhe von 500.000 Euro gehandelt. Die Transaktion, die eine Laufzeit von einem Monat hat, lief über die FX-Trading-Plattform der Commerzbank.

Die Bestätigung der Transaktion erfolgte demnach anschließend direkt über Corda, eine Distributed-Ledger-Technologie (DLT) des R3-Blockchain-Konsortiums. Mit dieser Pilottransaktion haben Commerzbank und Thyssenkrupp eigenen Angaben zufolge erstmals einen tatsächlich gehandelten FX-Forward über die Blockchain abgebildet.

Durch Blockchain Transaktionskosten bei FX-Geschäften senken

Thomas Empelmann, Leiter Corporate Finance bei Thyssenkrupp, sieht im Einsatz der Technologie klare Vorteile: „Der Einblick in den Blockchain-Prozess zeigt uns, wie man Marktteilnehmer in der Zukunft auf hoch sichere und effiziente Weise verbinden kann und dabei gleichzeitig Transaktionskosten durch die Vermeidung von externen Softwarelösungen reduziert.“

Der vereinfachte Prozess bei gleichzeitig „maximaler Transparenz der Liquiditätsposition“ senke dabei die Hürden für finanzielle Integration. Man „überdenke“ deswegen bestehende Prozesse. Thyssenkrupp verfolge die digitale Entwicklung sehr genau und kann sich eine Ausweitung der Blockchain-Technologie vorstellen. „Wir freuen uns, weitere Anwendungen mit entsprechendem Nutzen für unsere Treasury-Aktivitäten einzuführen“, sagt Empelmann weiter.

Dadurch, dass FX-Post-Trade-Bestätigungen und der Datenabgleich über die Blockchain möglich ist, ergeben sich für Treasurer erhebliche Effizienzgewinne. Der FX-Transaktionsprozess wird schlanker und eine Echtzeit-Bestätigung ist möglich, wodurch Treasurer jederzeit eine aktuelle Übersicht über ihre Liquiditätspositionen erhalten. „Es ist unser Ziel, die Post-Trade-Aktivitäten auf T+0 zu bringen“, sagt Nikolaus Giesbert, Bereichsvorstand Fixed Income, Currencies & Commodities und Trade Finance & Cash Management bei der Commerzbank. „Das FX-Geschäft kann durch die Blockchain live zwischen zwei Transaktionspartnern abgewickelt werden.“

Datensatz auf der Blockchain nicht mehr zu verändern

Ein Transaktionsabgleich ist nicht mehr notwendig, da die Transaktion als ein einziger Datensatz, der nicht mehr verändert werden kann, auf der Blockchain gespeichert wird. „Der Kunde gibt die Parameter seiner Transaktion in die dezentrale Datenbank ein, und wir unsere“, sagt Michael Spitz, CEO von Main Incubator, der Forschungs- und Entwicklungseinheit der Commerzbank. Per Smart Contract werde überprüft, ob die Daten übereinstimmen. „Wenn die Daten übereinstimmen, wird die Transaktion automatisch exekutiert. Falls die Daten falsch sind, erfolgt kein Settlement“, sagt Spitz weiter. Damit seien verschiedene Lösungen von Drittanbietern zur Transaktionsbestätigung künftig überflüssig.

Für Treasurer und Banken bedeutet das: Der Einsatz der Blockchain macht eine manuelle oder halbautomatisierte Abstimmung zwischen Firmenkunde und Bank überflüssig, wodurch die operative Handelsrisiken bei Devisengeschäften erheblich senken lassen. „Aufgrund des hohen Ressourceneinsatzes ist der Prozess des Bestätigungsabgleichs ein wesentliches Thema im Devisenhandel“, sagt Giesbert. „Dieser Deal zeigt, wie der Einsatz einer Distributed-Ledger-Technologie die Prozesse in diesem Bereich transformieren und digitalisieren kann.“

Er kann sich vorstellen, dass es 24 bis 36 Monate dauern wird, bis sich diese Art des FX-Geschäftsabschlusses durchsetzen wird. Denn es müssen noch einige technische, regulatorische und rechtliche Anforderungen erfüllt sein, bis eine Marktreife erreicht werden kann. „Die Regulatorik und die gesamte Gesetzgebung um die Transaktion ist noch gar nicht geregelt“, sagt Giesbert.

Blockchain-Projekte halten in viele Treasury-Bereiche Einzug

Mit diesem Blockchain-Projekt im Bereich FX-Management haben Thyssenkrupp und Commerzbank einen neuen Bereich für die innovative Technologie erschlossen. Die Zukunftstechnologie hat bislang insbesondere in der Handelsfinanzierung für Aufsehen gesorgt. Mitte April haben auf der Trade-Finance-Blockchain-Plattform Batavia die ersten Live-Pilottransaktionen mit zwei Firmenkunden stattgefunden.

Es gibt noch zwei weitere Konkurrenz-Plattformen, die wie Batavia versuchen, Handelsgeschäfte transparenter, schneller und einfacher zu machen: Die Blockchain-Trade-Finance-Lösung We.trade, die die Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit vor etwa einem Jahr initiiert haben, wollen noch im zweiten Quartal dieses Jahres die ersten Livetransaktionen durchführen. Die dritte Blockchain-Plattform Marco Polo plant, im vierten Quartal dieses Jahres die ersten Firmenkunden anzubinden.

Schuldschein und Konsortialkredit effizienter platzieren

Neben der Handelsfinanzierung gilt noch der Schuldschein als Paradebeispiel für die Anwendung der Blockchain-Technologie. Sowohl der Autobauer Daimler als auch der Mobilfunkkonzern Telefónica haben gemeinsam mit der LBBW einen Blockchain-Schuldschein platziert. Auch bei Commercial Paper und Konsortialkrediten finden erste Experimente statt. Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr könnte mit Hilfe der Blockchain schneller und günstiger werden. Das Fintech R3 hat gemeinsam mit 22 Großbanken eine Echtzeitlösung für den internationalen Zahlungsverkehr entwickelt, die auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert.

All diese Projekte zeigen das Potential, das die Blockchain in sich birgt. Ob sie sich in all diesen Bereichen durchsetzen wird, muss sich aber noch zeigen. Aber sie dürfte auf jeden Fall zu Verbesserungen für Treasurer führen.

Paulus[at]derTreasurer.de

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