Initiative von sieben Banken

31.08.17 07:46

Blockchain-Plattform für Trade Finance soll im Dezember starten

Von Desiree Backhaus

Sieben Banken wollen mit einer gemeinsamen Blockchain-Plattform die Handelsfinanzierung für Mittelständler revolutionieren. Die Pläne sind ehrgeizig, das genaue Geschäftsmodell der Banken noch unklar.

tcly/Thinkstock/Getty Images

Trade Finance gilt als idealtypischer Anwendungsfall für die Blockchain-Technologie. Sieben Banken bauen eine gemeinsame Plattform auf.

Die geplante Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen nimmt Formen an. Bereits im Dezember soll die sogenannte Digital Trade Chain an den Start gehen. „Unser Ziel ist es, anschließend pro Quartal vier Banken anzubinden“, sagt Roberto Mancone aus dem Chief Digital Office der Deutschen Bank gegenüber DerTreasurer. Von 15 Häusern lägen bereits konkrete Anfragen vor.

Das größte deutsche Geldhaus ist eine von sieben europäischen Banken, die im Januar mit der Ankündigung Schlagzeilen machten, gemeinsam eine Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen aufzubauen. Die Initiative will die physischen Lieferketten mit Finanzprodukten verknüpfen - und das bei totaler Transparenz, Kontrolle und Automatisierung für alle beteiligten Parteien.

Trade Finance: Mehr Nachfrage als Angebot

Das Angebot von HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit richtet sich vor allem an Mittelständler, die bislang keinen Zugang zu Trade-Finance-Instrumenten haben. Vor allem KYC-Checks machen es für die Banken schlicht zu teuer, solche Produkte für kleine Unternehmen anzubieten. Viele Exporteure liefern daher auf Rechnung und tragen das Ausfallrisiko.

Die Blockchain-Technologie soll dieses Dilemma adressieren: „Mit Smart Contracts lässt sich sicherstellen, dass die Auslieferung der Ware erst erfolgt, wenn die vertraglich vereinbarten Bedingungen auf Lieferanten- und Empfängerseite erfüllt sind“, sagt Mancone. Der Weg bis dahin ist allerdings weit.

Banken planen Tracking-Service mithilfe der Blockchain

In einem ersten Schritt wird die neue Blockchain-Plattform eine direkte Verbindung zwischen Importeur und Exporteur schaffen. Das erhöhe zugleich die Effizienz im papierbasierten Handel, verspricht der Banker. „Die Unternehmen können alle Vertragskomponenten der Bestellung über die Plattform festlegen und darstellen: von der Rechnungsstellung, über Zollunterlagen bis hin zur Auslieferung.“

Im zweiten Schritt sollen dann Akkreditive, Warenkreditversicherungen und andere Supply-Chain-Finance-Instrumente über die Plattform vertrieben werden. „Geplant ist außerdem, einen Tracking-Service anzubieten, mit dem Unternehmen nachverfolgen können, wo sich ihre Ware gerade befindet“, erklärt der Deutsch-Banker.

Womit verdienen die Banken Geld in der Blockchain?

Fraglich ist allerdings welche Rolle die Banken auf einer Blockchain-basierten Plattform überhaupt haben werden. Denn in einer dezentralen Datenbank, in der die Teilnehmer direkt miteinander kommunizieren, braucht es weder einen Vermittler noch Absicherungsprodukte. „Die Blockchain zerstört die Geschäftsmodelle der Banken“, sagt Markus Krall von der Unternehmensberatung Goetzpartners kürzlich bei FINANCE-TV. „Es ist völlig offen, wie Banken künftig Geld verdienen. Heute ist nur klar: Die Gebührenmodelle werden anders aussehen.“

Ob und wie viel Firmenkunden für den Anschluss an die Plattform zahlen müssen, will Deutsch-Banker Mancone nicht verraten. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass die Gebühren - sollte es überhaupt welche geben - sehr gering ausfallen. Denn die Banken haben großes Interesse, möglichst viele Unternehmen anzubinden, um eine kritische Masse zu erreichen.

Backhaus[at]Treasurer.de

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