Das sind die 5 häufigsten Fehler im Währungsmanagement

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Unerwartete Währungsschwankungen können Unternehmen einen erheblichen Teil ihrer Gewinne kosten. Das gilt sowohl für Schwankungen im für deutsche Firmen wichtigen Währungspaar Euro/US-Dollar, aber auch bei Schwellenländerwährungen. Gerade dort müssen deutsche Treasury-Abteilungen regelmäßig auf plötzliche Krisen reagieren – zuletzt etwa auf den Absturz der türkischen Lira oder des brasilianischen Real.

Die Absicherung von Wechselkursrisiken ist herausfordernd, schließlich ist es schwer, alle makroökonomischen Trends gleichzeitig im Auge zu behalten. Zudem gibt es immer wieder unvorhersehbare Ereignisse, die Einfluss auf die Devisenmärkte haben. Umso wichtiger ist ein aktives Währungsmanagement, um von Entwicklungen am Devisenmarkt nicht kalt erwischt zu werden. Diese fünf Fehler sollten Treasurer deshalb unbedingt vermeiden.

Fehler 1: Keine Abstimmung mit operativem Geschäft

Zunächst einmal gilt: Strategisches Währungsmanagement geht viel früher los als das reine Hedging – sprich die Absicherung von Wechselkursrisiken, die in der Regel in der Verantwortung des Treasury liegt. Denn Währungsmanagement findet nicht im luftleeren Raum statt, es ist Ausfluss zahlreicher strategischer Entscheidungen des Managements: Wo produziert das Unternehmen? Wie ist die Lieferkette organisiert? Wer sind die Abnehmer der Produkte? In welchen Ländern wird künftig investiert?

„Das Problem ist, dass die Verantwortlichen für die Auslandsmärkte nur selten in die Absicherungsentscheidungen des zentralen Treasury eingebunden werden.“

Siegfried Jaschinski, Augur Corporate Finance

Bereits diese kleine Auswahl an Fragen zeigt, wie wichtig eine enge Abstimmung zwischen Treasury, Einkauf und Vertrieb ist. Gemeinsam sollte diskutiert werden, in welchen Währungen eingekauft und verkauft werden soll. Dabei gilt es, die Wünsche von Lieferanten und Abnehmern ebenso zu berücksichtigen wie die Verfügbarkeit, Volatilität und Kosten der Absicherung in der jeweiligen Währung. 

Auch die Entscheidung, ob und in welchem Umfang Wechselkursrisiken abgesichert werden, sollte in Abstimmung getroffen werden. Schließlich hat dies Einfluss auf die Preisgestaltung und damit auch die Wettbewerbssituation in dem jeweiligen Land, worauf kürzlich etwa der frühere LBBW-Chef Siegfried Jaschinski hinwies, der nun für die Corporate-Finance-Beratung Augur tätig ist. „Das Problem ist, dass die Verantwortlichen für die Auslandsmärkte nur selten in die Absicherungsentscheidungen des zentralen Treasury eingebunden werden“, monierte er.

Fehler 2: Planloser Umgang mit Wechselkursrisiken

Daran knüpft auch das zweite Versäumnis an: Viele Mittelständler verfügen gar nicht erst über eine Hedge Policy, wie eine Studie der Commerzbank zeigt. Dort sollten die Unternehmen festschreiben, welche Ziele sie mit der Absicherung von Währungsrisiken verfolgen. Im Kern geht es dabei vor allem um folgende übergeordnete Frage: Wie viel Planungssicherheit, beziehungsweise wie viel Flexibilität, ist gewünscht? Diese Frage sollte jedes Unternehmen zuerst beantworten – und daraus abgeleitet Sicherungsquoten oder -bandbreiten, Instrumente und Zuständigkeiten definieren.

Gerade in Krisenzeiten ist eine solche schriftlich fixierte Hedging-Strategie essentiell: Sie erleichtere den Treasury-Abteilungen den Umgang mit Kursänderungsrisiken und bewahre das Unternehmen vor Panikreaktionen, schrieb vor einigen Monaten unser Gastautor Dominik Marschollek, Director im Bereich Financial Institutions and Corporates bei der LBBW: „Ohne eine solche Policy fallen Entscheidungen deutlich schwerer und können gerade in volatilen Märkten zu lange dauern.“

Fehler 3: Alles auf eine Karte setzen

Ein gewisses Maß an Flexibilität ist im Währungsmanagement unerlässlich. Wer Wechselkurse vollständig einloggt und damit unter dem Mantra „Planungssicherheit“ alles auf eine Karte setzt, der bekommt ein Problem, wenn sich die Märkte anders entwickeln als gedacht. Dann bedeutet „Planungssicherheit“ im Extremfall herbe Verluste in der GuV.

Gerade Treasury-Abteilungen in Großunternehmen versuchen dieses Dilemma durch verschiedene Maßnahmen abzumildern: Sie rechnen das FX-Exposure für verschiedene Szenarien an den Devisenmärkten durch, setzen auf rollierende Absicherungsstrategien, geben ihren Händlern eine gewisse Entscheidungsfreiheit innerhalb festgelegter Bandbreiten oder wählen einen Instrumentenmix, der flexibles Handeln erlaubt. Dazu gehören etwa Optionsgeschäfte oder strukturierte Lösungen.

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Fehler 4: Keine Fehlerkultur

Wer eine Strategie festgelegt hat, sollte auch regelmäßig hinterfragen, ob sie funktioniert und weiterhin richtig ist. Das gilt im Währungsmanagement ebenso wie in allen anderen Disziplinen. Doch nicht einmal in allen Großkonzernen ist ein solches Benchmarking üblich. Darauf wies Christian Held, ehemaliger Chef-Treasurer von Bayer hin. Bei dem Chemie- und Pharmakonzern findet eine solche Erfolgsmessung zwar regelmäßig statt, Held wusste jedoch von Kollegen zu berichten, bei denen das nicht der Fall ist oder war. Dabei ist es im FX-Management leicht, den Erfolg zu messen.

Eine solche Transparenz muss aber mit einer guten Fehlerkultur einhergehen – oder wie Held es ausdrückt: Man müsse „die Gründe für die Entscheidung hinterfragen und daraus lernen, aber nicht nachkarten“. Sonst drohe man, aus Angst vor falschen Entscheidungen gar nichts mehr zu tun.

Fehler 5: Neue Technologien ignorieren

Es gibt zahlreiche technologische Weiterentwicklungen, die das Hedging verbessern oder beschleunigen können. Das Spektrum reicht von Erleichterungen bei der Ermittlung des Wechselkursrisikos durch Business Intelligence (BI) über die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz (KI) bei den Fragen, wann und in welchem Umfang abgesichert wird, bis hin zur Automatisierung des Prozesses und Reporting-Lösungen. Banken, Fintechs und Beratungshäuser haben ihr Angebot in dem Bereich stark aufgerüstet. Viele Unternehmen sind allerdings zögerlich, wenn es darum geht, solche neuen Ansätze zu testen. Dadurch könnten Treasurern wichtige Chancen zur Erleichterung des Währungsmanagements entgehen.