Kantox will wieder in den Wachstumsmodus schalten. Dafür hat das 2011 in London gegründete FX-Fintech kürzlich eine Kooperation mit der Devisenhandelsplattform 360T abgeschlossen. In diesem Zuge sollen die bestehenden Lösungen der beiden Häuser tiefer integriert werden, um so „eine vollständige Automatisierung des Hedging-Prozesses zu ermöglichen“, berichtet Michael Schimmel, Chief Commercial Officer bei Kantox: „360T automatisiert den Handel, wir die Pre-Trade-Phase.“
Vereinfacht ausgedrückt verarbeitet Kantox das FX-Exposure, indem die Hedge Policy des Unternehmens innerhalb in Regeln gegossen wird. Anschließend werden Hedging-Vorschläge an Plattformen wie 360T zur Ausführung weitergeleitet. Im Laufe dieses Jahres sollen die neuen, integrierten Funktionalitäten im Währungsmanagement umgesetzt werden, so Schimmel.
BNP Paribas gehört zum Kantox-Investorenkreis
Bei dem Fintech war im vergangenen Jahr im Rahmen einer Finanzierungsrunde BNP Paribas als Investor eingestiegen. Die französische Großbank kooperiert bereits seit 2019 mit Kantox, das inzwischen eigenen Angaben zufolge weltweit etwa 150 Unternehmen zu seinen Kunden zählt. Das Gros ist allerdings im gehobenen Mittelstand angesiedelt. „Über 360T wollen wir Zugang zu größeren Konzernen zu erhalten“, sagt Schimmel. Im Gegenzug bringe Kantox den FX-Flow von kleineren Unternehmen, die für 360T in der Direktansprache nicht interessant seien, auf die Devisenhandelsplattform.
Kantox blickt auf ein schwieriges Jahr zurück: Das Fintech zählt viele Reiseanbieter zu seinen Kunden. Da der Tourismusbranche aufgrund der Coronakrise aber das Geschäft wegbrach, gab es auch kein FX-Risiko, das abgesichert werden musste. Es sei aber zu keinem Zeitpunkt brenzlig gewesen, beteuert Schimmel: „Wir sind solide finanziert.“ Inzwischen zögen die Buchungen und damit das zu sichernde FX-Exposure auch wieder an.
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Kantox verringert Abhängigkeit von der Reisebranche
Der Chief Commercial Officer sieht die Krise auch als Chance: „Wir waren gezwungen, uns branchenseitig breiter aufzustellen.“ So sei man vor allem im Maschinenbau gewachsen, ein weiterer Schwerpunkte liege jetzt im Bereich Chemie, Pharma und der Lebensmittelindustrie.
Die Branchenzugehörigkeit ist ein wichtiger Faktor, da für die Definition von regelbasiertem Hedging klar sein muss, wo im operativen Geschäft FX-Risiken entstehen. „Wenn wir in ein Unternehmen kommen, müssen wir häufig erstmal ein Projekt erzeugen“, sagt Schimmel mit Blick auf die nicht-existente Hedge Policy vieler Mittelständler. Das erkläre auch, weshalb die Kundengewinnung manchmal länger dauert. Trotzdem: „Unser Ziel ist es, den Umsatz um 40 bis 50 Prozent pro Jahr zu steigern“, sagt Schimmel. Mit Ausnahme von 2020 sei das auch stets gelungen.

